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Praxisbericht · Bauteilprüfung · Fenster · Drohne

Mit der Drohne schnell einen Blick aufs Bauteil werfen – ein Praxisbeispiel

Manche Fenster, Fassadenbereiche oder Holzbauteile liegen so hoch oder sind so ungünstig zugänglich, dass schon ein erster Blick mit erheblichem Aufwand verbunden wäre. In solchen Fällen kann eine kleine Drohne ein erstaunlich praktisches Hilfsmittel sein.

Nicht als Ersatz für eine erforderliche Nahprüfung und nicht als „Gutachten aus der Luft“. Sondern als schneller erster Überblick: Wo ist etwas auffällig? Wo lohnt sich eine nähere Untersuchung? Und wo wäre ein Gerüst zunächst möglicherweise mehr Aufwand als Erkenntnisgewinn?

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Schneller Überblick

Außenliegende Bereiche lassen sich zunächst aus unterschiedlichen Blickwinkeln dokumentieren.

Gezielter weiterprüfen

Auffällige Stellen können anschließend für eine nähere Untersuchung ausgewählt werden.

Kein Ersatz für Nähe

Was gemessen, ertastet oder geöffnet werden muss, lässt sich nicht aus der Distanz abschließend bewerten.

Praktisches Hilfsmittel

Selten erforderlich – aber bei Höhe oder schwierigem Zugang manchmal genau das richtige Werkzeug.

Der Praxisfall

Mehrere Fenster von außen prüfen – ohne zunächst jede Wohnung zu betreten

Anlass war die Kontrolle von Fenstern an einem vollständig vermieteten Gebäude. An einem benachbarten historischen Gebäude waren zuvor bereits schwer zugängliche Holzfenster betrachtet worden. Für das vermietete Nachbargebäude stellte sich anschließend eine ganz praktische Frage: Wie lässt sich zunächst ein äußerer Überblick über mehrere Fenster gewinnen, ohne für jede einzelne Wohnung sofort einen Besichtigungstermin koordinieren zu müssen?

Für diese erste Orientierung wurde eine Drohne eingesetzt. Damit konnten die von außen sichtbaren Bereiche mehrerer Fenster nacheinander betrachtet und fotografisch dokumentiert werden.

Die Drohne ersetzte keine erforderliche Nahprüfung. Sie ermöglichte aber einen schnellen ersten Überblick und half dabei, den weiteren Prüfungsumfang sinnvoll festzulegen.

Genau darin liegt für mich der eigentliche Nutzen: Die Drohne ist kein besonderes Prüfverfahren, das bei jedem Objekt zum Einsatz kommen muss. Sie ist ein Hilfsmittel, das schnell verfügbar ist, wenn ein Blick aus wenigen Metern Entfernung bereits eine wichtige erste Orientierung geben kann.

Warum überhaupt eine Drohne?

Der erste Blick wäre sonst organisatorisch deutlich aufwendiger gewesen

Bei einem voll vermieteten Gebäude ist eine Besichtigung von innen nicht nur eine technische Frage. Jeder Zugang zu einer Wohnung muss abgestimmt werden. Bewohner müssen erreichbar sein, Termine müssen zusammenpassen und häufig braucht man mehrere Zeitfenster.

Gleichzeitig lässt sich manches, was außen am Fenster auffällig ist, aus dem Rauminneren ohnehin nur eingeschränkt erkennen.

Ohne ersten Außenüberblick

Mehrere Mietparteien koordinieren, Wohnungen betreten und anschließend möglicherweise feststellen, dass für die eigentliche Außenansicht trotzdem ein anderer Zugang erforderlich ist.

Mit einem kurzen Drohnencheck

Zunächst von außen erfassen, welche Bereiche unauffällig wirken und wo eine Auffälligkeit erkennbar ist. Danach kann der weitere Zugang gezielter geplant werden.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Mietwohnungen grundsätzlich nicht betreten werden müssten. Wenn die fachliche Fragestellung eine nähere Untersuchung erfordert, muss dieser Zugang hergestellt werden. Der erste äußere Überblick kann aber helfen, nicht ohne konkreten Anlass jedes Fenster gleich mit maximalem Aufwand zu untersuchen.

Ein sichtbarer Befund

Eine nachträglich hergestellte Kabeldurchführung fiel sofort auf

Bei einem der kontrollierten Kunststofffenster war von außen eine nachträglich hergestellte Durchführung erkennbar. Durch das Fensterelement war ein Kabel nach außen geführt worden.

Nach Angaben des Vermieters war diese Veränderung nicht Bestandteil der ursprünglichen Fensterausführung. Für den Schnellcheck war zunächst nicht entscheidend, die technische Folge dieser Maßnahme sofort abschließend zu bewerten. Entscheidend war zunächst die Feststellung: Hier wurde das Bauteil nachträglich verändert.

Bildplatzhalter: Detail der Kabeldurchführung Hier später das konkrete Fensterdetail einsetzen, an dem die nachträglich hergestellte Durchführung nach außen erkennbar ist.
Geplantes Detailbild: nachträgliche Veränderung an einem Kunststofffenster. Aus einer Drohnenaufnahme lässt sich eine solche Auffälligkeit erkennen; ihre technische Bedeutung kann je nach Fragestellung eine nähere Prüfung erfordern.

Das ist ein wichtiger Unterschied

Eine Drohnenaufnahme kann zeigen, dass an einem Bauteil etwas auffällig oder verändert ist. Sie beantwortet nicht automatisch, wie diese Veränderung technisch zu bewerten ist, welche Schichten betroffen sind oder ob Folgeschäden vorliegen.

Was aus der Luft gut funktioniert

Übersicht, Lage und erkennbare Auffälligkeiten

Für eine erste Orientierung sind Drohnenaufnahmen besonders dann hilfreich, wenn die Fragestellung zunächst visuell ist.

  • Wie sieht ein höher gelegenes Fenster von außen aus?
  • Sind an Fensterläden, Bekleidungen oder außenliegenden Bauteilen erkennbare Veränderungen vorhanden?
  • Gibt es sichtbare Beschädigungen, Öffnungen, lose Teile oder ungewöhnliche nachträgliche Veränderungen?
  • Welche Bereiche einer Fassade erscheinen auffällig und sollten später aus der Nähe betrachtet werden?
  • Wo könnte für eine weitere Untersuchung ein Gerüst, Hubsteiger oder ein anderer Zugang tatsächlich erforderlich werden?

Die Kamera liefert dabei häufig Perspektiven, die vom Boden aus nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich wären. Gerade an höheren Fassaden kann schon die Möglichkeit, auf Augenhöhe mit einem Bauteil zu kommen, den ersten Erkenntnisgewinn deutlich verbessern.

Ein Gerüst ist nicht für jede erste Fragestellung erforderlich. Für eine abschließende Untersuchung kann es trotzdem notwendig werden.

Die Grenze der Methode

Ein gutes Bild ist noch keine Nahprüfung

Je besser Kameras werden, desto verlockender ist die Vorstellung, ein Bauteil allein anhand hochauflösender Aufnahmen vollständig beurteilen zu können. In der Praxis funktioniert das nur für Fragestellungen, die sich tatsächlich aus dem Sichtbild beantworten lassen.

Eine Drohne kann beispielsweise nicht ertasten, ob Holz lokal weich ist, keine verdeckte Befestigung freilegen und keine Feuchtemessung durchführen. Auch kleine Risse, Fugen oder Anschlussdetails können aus einer bestimmten Perspektive sichtbar wirken, ohne dass sich ihre Tiefe, Ursache oder konstruktive Bedeutung sicher bestimmen lässt.

Für eine abschließende gutachterliche Bewertung kann mehr erforderlich sein

Wenn eine Fachfrage nur durch unmittelbare Sichtprüfung, Berührung, Messung, Öffnung oder eine Prüfung aus kurzer Distanz beantwortet werden kann, muss dieser Zugang geschaffen werden. Die Drohne hilft dann vor allem dabei, die Untersuchung gezielt vorzubereiten.

Gerade deshalb sollte eine Drohnenaufnahme nicht mehr versprechen, als sie tatsächlich leisten kann. Ihr Wert liegt häufig in der Orientierung und Eingrenzung, nicht in der abschließenden Bewertung jedes Details.

Vor einem Gerüst

Erst prüfen, ob der aufwendigere Zugang überhaupt erforderlich ist

Bei einer früheren Untersuchung an einer hohen Fenster- und Fassadenkonstruktion lag der interessante Bereich ungefähr zehn Meter über dem Boden. Bevor für eine nähere Untersuchung ein Gerüst organisiert wurde, konnte mit der Drohne zunächst ein schneller Blick auf den Bereich geworfen werden.

Von diesem Einsatz existiert hier kein geeignetes Bildmaterial. Als Beispiel zeigt er aber sehr gut, wofür die Methode gedacht ist: nicht das Gerüst ersetzen, sondern zunächst klären, was dort oben überhaupt zu sehen ist.

Manchmal reichen wenige Minuten in der Luft, um zu entscheiden, ob für den nächsten Schritt mehrere Stunden Organisation und ein aufwendiger Zugang sinnvoll sind.

Zeigt sich dabei bereits eine klar erkennbare Auffälligkeit, kann eine Nahprüfung gezielt vorbereitet werden. Ist für die konkrete Fragestellung aus der ersten Sichtung nichts Auffälliges erkennbar, lässt sich ebenso besser einordnen, welcher weitere Prüfungsumfang tatsächlich noch sinnvoll ist.

Weitere Einsätze aus der Praxis

Nicht nur Fenster lassen sich auf diese Weise zunächst überblicken

Die Drohne kommt bei mir nur gelegentlich zum Einsatz. Gerade deshalb bleibt sie ein einfaches Hilfsmittel und wird nicht zum Selbstzweck. Einige Situationen eignen sich aber besonders gut für einen kurzen ersten Blick.

Hohe Fassadenkonstruktionen

Fenster, Bekleidungen oder Fassadendetails in mehreren Metern Höhe können zunächst dokumentiert werden, bevor über Gerüst oder Hubsteiger entschieden wird.

Fachwerk und Holzbauteile

Auch höher liegende Giebelbretter oder andere außenliegende Holzbauteile an älteren Gebäuden lassen sich zunächst aus geeigneter Perspektive ansehen.

Fenster und Fensterläden

Von außen schwer einsehbare Flächen können schnell überblickt werden, wenn eine erste visuelle Einschätzung genügt.

Prüfungsumfang vorbereiten

Der größte Nutzen liegt oft nicht in einer zusätzlichen Feststellung, sondern darin, den nächsten Untersuchungsschritt sinnvoll einzugrenzen.

Methodische Einordnung

Nicht immer mit der aufwendigsten Untersuchung beginnen

Eine technische Untersuchung sollte sich an der konkreten Fragestellung orientieren. Manchmal reicht zunächst eine Sichtprüfung. In anderen Fällen helfen Unterlagen, Fotos oder einfache Messmittel weiter. Erst wenn dadurch die entscheidende Frage nicht beantwortet werden kann, wird ein aufwendigerer Zugang erforderlich.

Die Drohne passt genau in dieses Prinzip. Sie ist eine zusätzliche Möglichkeit, einen schwer erreichbaren Bereich zunächst sichtbar zu machen.

Grundlagen dazu

Auf der Seite Effiziente Bauteilprüfung geht es ausführlicher darum, Untersuchungsmethoden abgestuft auszuwählen: vom einfachen Sichtbefund bis zu aufwendigeren Zugängen und Öffnungen.

Nicht die technisch aufwendigste Untersuchung ist automatisch die beste. Entscheidend ist, welche Methode die konkrete Fachfrage zuverlässig beantwortet.

Was dieser Praxisbericht zeigen soll

Vier Gedanken zur Drohne als Hilfsmittel

1. Schnell verfügbar

Wenn der äußere Bereich schwer zugänglich ist, kann ein kurzer Flug schneller Klarheit schaffen als eine aufwendige erste Zugangsplanung.

2. Gute erste Orientierung

Übersichtsbilder helfen, Auffälligkeiten zu lokalisieren und spätere Detailprüfungen gezielter vorzubereiten.

3. Keine Ferndiagnose

Sichtbare Auffälligkeiten sind noch keine vollständige technische Bewertung. Je nach Fragestellung bleibt die Nahprüfung erforderlich.

4. Aufwand sinnvoll staffeln

Gerüst, Hubsteiger oder Wohnungszugang werden dort eingesetzt, wo sie für den tatsächlichen Erkenntnisgewinn benötigt werden.

Fazit

Selten nötig – aber manchmal genau das richtige Hilfsmittel

Eine Drohne gehört nicht zur Standardausstattung jeder Bauteilprüfung. Bei schwer zugänglichen Fenstern, Fassadenbereichen oder höher gelegenen Holzbauteilen kann sie aber sehr praktisch sein.

Im beschriebenen Fall ließ sich an einem voll vermieteten Gebäude schnell ein äußerer Überblick über mehrere Fenster gewinnen, ohne zunächst für jede einzelne Wohnung einen Termin vereinbaren zu müssen. Dabei wurden erkennbare Auffälligkeiten dokumentiert und der weitere Prüfungsbedarf konnte gezielter eingeordnet werden.

Genau darin liegt der Nutzen: Die Drohne ersetzt nicht die erforderliche Untersuchung am Bauteil. Sie kann aber helfen zu entscheiden, wo diese Untersuchung tatsächlich notwendig ist.

Für einen schnellen Blick auf schwer erreichbare Bauteile ist die Drohne manchmal schlicht das einfachste Hilfsmittel.
Sebastian Sudhoff bei der Qualitätskontrolle eines Holzfensters

Autor dieses Praxisberichts

Sebastian Sudhoff

Tischlermeister und öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Tischlerhandwerk

Bei technischen Untersuchungen ist nicht nur wichtig, was geprüft wird, sondern auch, mit welchem Aufwand sich eine konkrete Frage zuverlässig beantworten lässt. In der Praxis beginnt das häufig mit einfachen Mitteln und wird erst dann erweitert, wenn die Fragestellung es verlangt.

Eine Drohne ist dabei kein Ersatz für handwerkliche oder sachverständige Detailprüfung. Sie kann aber ein sehr hilfreiches zusätzliches Werkzeug sein, wenn ein Bauteil von außen schwer erreichbar ist.

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Prüfung, Fenster und Sachverständigenpraxis

Hinweis: Dieser Praxisbericht beschreibt einen konkreten Einsatz einer Drohne als Hilfsmittel zur ersten visuellen Orientierung. Welche Untersuchungsmethode im Einzelfall geeignet oder erforderlich ist, hängt von der konkreten Fragestellung, dem Bauteil und der Zugänglichkeit ab. Drohnenaufnahmen ersetzen keine erforderliche unmittelbare Prüfung, Messung oder Bauteilöffnung.